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Die Sony HXR NX70 ist der erste mir bekannte Allwettercamcorder im Grenzgebiet zwischen Profi- und Konsumerlager. Der kleine Henkelmann wirbt mit abgedichteten Klappen und Fächern und der damit verbundenen Resistenz gegen Spritzwasser und Staub. Die Konstrukteure gehen sogar soweit, dass sie im Handgriff ein kleines Loch eingebaut haben, aus dem das Wasser ablaufen soll, dass durch die Zoomwippe Zugang zum Inneren des Camcorders gewinnt. Ansonsten ist selbiges sehr gut abgedichtet und selbst der Akku wurde in den Bauch der Kamera verlegt. Dort befindet sich auch der interne Speicher in Form eines SSD mit 96 Gb Speicherplatz. Das Reicht für gut 8 Stunden Aufnahmezeit in der höchsten Qualitätsstufe bei einer Auflösung von 1920 x 1080 p50 bei 28 Mbits im AVCHD-Format. Full HD bei 50 progressiven Bildern und genannter Datenrate ist ein relativ neues Format und wurde bisher nur von wenigen Herstellern (Panasonic) eingesetzt. Das Kameragehäuse ist sehr plastiklastig, zwar gut verarbeitet, könnte für eine Outdoorkamera aber einen robusteren Eindruck hinterlassen; besonders stoßgeschützt ist die NX 70 bestimmt nicht.

Ich besorgte mir diese Kamera, weil sie klein, leicht und staubgeschützt ist, denn genau das ist für meine Aufnahmen an aktiven Vulkanen besonders wichtig. Das der 1 Chip-Camcorder mit einer Chipgröße von gut 1/3 Zoll, bei mehr als 6 Millionen Bildpunkten kein Lichtriese sein kann, war mir klar. Erste Testaufnahmen bestätigten der kleinen Kamera dann auch eine hervorragende Bildqualität bei Tageslicht, allerdings kommt die NX70 Indoor an die Grenzen ihrer Lichtempfindlichkeit. Dort, wo eine 3 Chip Kamera noch ohne Probleme filmt, muss man bei der NX 70 auf 9 db Gain gehen um überhaupt noch etwas zu sehen. Bei bewölktem Wetter filmte ich draußen mit einer Blende von 3.7 und einer 1/50igstel Sekunde Belichtungszeit. Die geringe Lichtempfindlichkeit könnte auch erklären, warum die Konstrukteure auf einen eingebauten ND Filter verzichtet haben. Die kleinste Blendenöffnung ist übrigens 9.6, was ich auch sehr mager finde.
Bei ausreichend Licht erstaunte mich die sehr gute Bildschärfe, gute Farbdifferenzierung und das Fehlen chromatischer Aberrationen und Bildrauschen. Auch der Codec überzeugte bei schnellen Zooms und Schwenks; Digitalisierungsartefakte konnte ich am HD-Monitor nicht wahrnehmen.
Das Handling der kleinen Kamera erweist sich als ganz gut. Der Schärfering am Objektiv ist mehrfach belegt und lässt sich zwischen Fokus, Zoom und Blende umschalten. Mir persönlich wäre ein zusätzliches Drehrad für die Blendenregelung lieb gewesen. Knöpfe für push-focus und autoiris erlauben im manuellen Modus temporär auf die Automatikfunktionen zurück zu greifen, was mir sehr gut gefällt. Sicherlich ist das Touchdisplay gewöhnungsbedürftig, aber es ist genügend groß und sehr scharf. Der Sucher löst zwar auch hoch auf, erscheint aufgrund der geringen Lupenvergrößerung recht klein und ist empfindlich gegen Seitenlicht.
Die Sony HXR NX70 verfügt über ein eingebautes Stereomikrofon und über eine Audioeinheit mit manuellen Kontrollen, XLR-Anschlüssen und Mikrofonhalter am abnehmbaren Tragegriff. Diese Einheit ist nicht extra geschützt und sollte im Regen demontiert werden. Der Wehmutstropfen hier: wer das externe Mikrofon nicht anschließen möchte (es stört aufgrund seines Überhangs ungemein und macht aus der kleinen Kamera transportmäßig eine große Kamera), den Henkel aber trotzdem benutzen möchte, hat ein loses Kabel an der Kamera baumeln, denn das interne Mikrofon schaltet sich automatisch ab, sobald das Kabel der externen Audioeinheit eingestöpselt ist. Desweiteren beherrscht die NX70 das Aufnahmeformat 1280 x 720 nicht, obwohl es in ersten Ankündigungen ausgewiesen war.
Mein vorläufiges Fazit: eine sehr schöne Kamera für spezielle Aufnahmesituationen im Profibereich. Besonders geeignet für Videojournalisten in Krisengebieten (unauffälliges Filmen), oder Naturfilmer im Regenwald, oder in der Staubwüste. Somit spricht die Kamera ihr Zielpublikum korrekt an. Nichts für Eventfilmer, oder Hochzeitsfilmer, da man mit vorhandenem Licht im Innenbereich nicht weit kommt.
Mit einem Nettopreis von 2700 € nicht gerade ein Schnäppchen. Ein eingebauter ND-Filter sollte da obligatorisch sein, ebenso ein externes Akkuladegerät und die Beherrschung von 1280 x 720 p50. Eine deutlich gesteigerte Lichtempfindlichkeit wäre wünschenswert. Hier könnte man ggf. auf die Fotofunktion mit 12 Megapixeln verzichten, oder wenigstens einen ½ Zoll Chip verwenden.
Update: Nach meinen Dreharbeiten am Ätna muss ich meinen vorläufigen Test um einige Anmerkungen ergänzen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Zoomwippe sehr agressiv reagiert. Schon bei leichtem Druck rennt der Zoom los, sodass bestenfalls Reißzooms und ganz schnelle Zoomfahren gelingen. Da die Wippe sehr empfindlich ist, bedarf es ungemein viel Fingerspitzegefühl einen langsamen Zoom zu realisieren. Zoomen über den Objektivring ist ebenfalls nahezu unmöglich. Mit viel Übung gelingt vielleicht ein Zoom über das Touch-Display. Hier muss Sony dringend nacharbeiten und eine Lösung für bereits ausgelieferte Kameras anbieten. Den automatischen Weißabgleich bewerte ich bestenfalls mit "ausreichend". Dieser trifft selten 2 Mal den gleichen Wert, wenn man die gleiche Szene mehrmals dreht. Zudem neigt er bei Schwenks zum Pumpen. Bei diesem minimalistischen Bedienkonzept wäre eine "look-Taste" sinnvoll, die automatische Einstellungen von Belichtung, Weißabgleich und Schärfe speichert und sperrt, so dass lästiges Nachziehen und umständliches manuelles Einstellen über das Touchdisplay entfällt. Die Nightshot-Aufnahmefunktion mit den beiden Infrarotlämpchen erwies sich als nutzlose Spielerei, da die Infrarotdioden maximal 50 cm weit ausleuchten.
Bei der jetzigen Version der Kamera merkt man deutlich, dass im Inneren des semi-professionellen Camcorders doch nur das Herz der Consumercam CX-700 schlägt.
Im Allgemeinen verdichtet sich bei mir der Eindruck, dass die Qualität japanischer Elektronik-Produkte stark rückläufig ist und eine Menge Schrott auf den Markt kommt. Meine neue Canon 60 D und die dazu gekauften Sigmaobjektive halten qualitativ genauso wenig, was sie versprechen, wie die Panasonic GH 2, oder Sony NX 5.
Über den Autor: Marc Szeglat arbeitet seit 1996 als Kameramann, Videojournalist und Fachautor. Zahlreiche Testberichte von ihm sind zwischen den Jahren 1998 und 2006 in den Zeitschriften "Computervideo" und "Film- und TV Kameramann" erschienen.
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