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 Testbericht: Panasonic Lumix DMC-GH 2

Die GH2 ist als Nachfolger der Panasonic Lumix DMC - GH1 eine konsequente Weiterentwicklung und birgt einige Innovationen für den Videofilmer, der gerne mit einer kompakten Systemkamera mit Wechseloptik arbeitet. Generell birgt das Filmen mit dieser Kameraklasse gegenüber normalen Videokameras 3 Vorteile: Verwendung von Wechseloptiken, großer Bildsensor für geringe Tiefenschärfe (Filmlook), volle Fotofunktionalität bei hoher Auflösung. Für mich als Vulkanfilmer und Fotograf, der sich überwiegend mit dem Thema "Planet Erde" auseinandersetzt, ist so ein Gerät von besonderem Vorteil, da es aufgrund der guten Bildqualität mittlerweile tatsächlich eine separate Videokamera ersetzen kann, sofern man mit den Einschränkungen (kein motorischer Zomm, keine Audio XLR Buchsen, fummliges Handling) leben kann. Besonders wenn es auf den Gipfel eines Vulkans geht und überwiegend nur Aufnahmen von den Vulkanausbrüchen gefragt sind, ist die Gewichtsersparung ein riesen Vorteil, gegenüber einer kompletten Videoausrüstung, die mit passendem Stativ und Akkus schnell 7 bis 8 kg wiegt. Natürlich ist es schwierig im Dokumentarfilm-Bereich ganze Beiträge mit der GH2 (oder vergleichbaren VDSLRs) zu produzieren, aber wenn es um Footage (Zuspielmaterial) einzelner Szenen geht, kommt man mit dieser Kameraklasse ganz gut aus.

Konkret habe ich mir die GH2 für Dreharbeiten im Kongo geholt, wo ich Ende Januar den Lavasee des Nyiragongo filmen möchte. Aufgrund der unsicheren Situation dort, werde ich erstmalig meinen professionellen Henkelmann zuhause lassen und nur mit GH1 und GH2 losziehen. Von meinen Erfahrungen dort werde ich in einem Praxisbericht erzählen. An dieser Stelle nun einen ersten Vorabtest.

Über die technische Bildqualität der Panasonic Lumix GH2 ist schon viel geschrieben worden und erste Aufnahmen überzeugten mich ebenfalls von dem guten Urteil. Die Fotoauflösung mit 16 Megapixel ist zeitgemäß, das Bild ist relativ rauscharm bei hoher Dynamik (Kontrastumfang) und auf den Aufnahmen mit der Standardoptik (14 - 140 mm) sind auf dem HD Monitor im Videomodus weder Artefakte, noch Farbsäume zu sehen. Die Farben werden sauber differenziert. In Punkto Lichtempfindlichkeit schneidet auch der neue Four Third-Sensor nicht besser ab, als der 12 Megapixel-Bildsensor der GH 1. APS-C Sensoren haben in diesem Bereich die Nase eindeutig vorne! Einige Tester attestierten der GH2 einen Lichtvorteil von einer Blendenstufe, was ich nicht nachvollziehen kann. Dieser vermeintliche Unterschied ist wohl darauf zurück zu führen, dass die ISO-Einstellung bei der GH2 standardmäßig auf 160 IS0, anstatt der üblichen 100 ISO (wie noch bei der GH1) steht. Ich habe Vergleichsfotos zwischen GH2 und GH1 unter gleichen Bedingungen gemacht und komme zu dem Ergebnis, dass die Kameras bei 200 ISO in etwa gleich lichtempfindlich sind. Wenn man sehr kritisch ist, hat die GH1 hier noch einen Vorteil von ca. 1/3 Blende gegenüber der GH2.



Oberes Foto GH2; unteres Bild GH1. Beide mit f 5.6, t 1.6 sec, ISO 200

GH2

GH2


Was die Schärfe im Videomodus angeht überschärft mir die GH2 im Weitwinkel ein wenig. Die Kantenaufschärfung ist zu hoch eingestellt. Im Telebereich relativiert sich dieser Effekt und die Bilder erscheinen sehr knackig.

Schon alleine aufgrund der Brennweiten-Verlängerung um den Faktor 2 gegenüber Vollformatsensoren, sind Four Third Kameras für Teleaufnahmen prädestiniert. Umso überzeugender und ein wertvolles Extra für alle Natur- und Makrofilmer ist der "1:1 Crop Mode", der im Deutschen "erweiterter Telebereich" heißt. Hierbei verlängert sich im Aufnahmeformat 720p50 der Brennweiten-Bereich des Objektivs um den Faktor 4,8. Wer in der HD-Auflösung 1080i filmt hat eine Brennweiten-Verlängerung um den Faktor 2,6. Im Videomodus funktioniert das alles ohne Auflösungsverluste, da hier dann nur ein Teil, des 16 Megapixel-Sensors ausgelesen wird. Für HD-Video werden ja nur ca. 2 Megapixel (2K) benötigt. In diesem Modus verschwinden auch etwaige Skalierungsfehler, die bei der GH2 aber sowieso sehr gering sind und auf normalen Aufnahmen unsichtbar bleiben. Allerdings kann das Display in diesem Modus nur ein unscharfes Vorschaubild liefern, sodass man nicht manuell fokussieren kann. Sobald die Aufnahme gestartet wird erscheint das Bild in gewohnter Schärfe.

Standbilder aus dem Video: Oberes Bild mit einer KB-Brennweite von 280 mm (Endbereich des 140iger Zooms); unteres Bild mit 1344 mm KB-Brennweite.

GH2

GH2


Eine angenehme Überraschung, weil sie noch von keinem Autor erwähnt wurde, ist die Spitzlicht-Rec-Funktion. Überbelichtete Bildpartien werden hier blinkend dargestellt. Diese Funktion kenne ich von anderen digitalen Kameras wie der Canon EOS 7. Allerdings funktioniert dieses Feature bei anderen Kameras nur während der Foto-Wiedergabe. Bei der GH2 lässt sich diese nützliche Funktion während der Videoaufnahme hinzu schalten und bietet so eine wichtige Einstellhilfe für die Belichtung, ähnlich einem Zebra bei professionellen Videokameras. Eigentlich fehlen jetzt nur noch ein zuschaltbarer ND-Filter und ein Klappmechanismus für den elektronischen Sucher (der ansonsten besser ist, als alles, was bei Videokameras unter 8000 € verbaut wird), sowie eine Handschlaufe.

Ein Wehmutstropfen bleibt: die höchste Datenrate des AVCHD-Videostreams von 24 Mbps gibt es nur im Filmmodus mit 24 Bildern pro Sekunde. In allen anderen Modi arbeitet die GH2 mit max. 17 Mbps. Meiner Meinung nach ist die 24p Modus für die Fernsehen- und Computerwelt absolut ungeeignet. Ursprünglich stammt diese Bildrate aus dem Kinobereich und gehört auch genau dort hin! Diese Bildrate macht nur Sinn, wenn das Video auf richtigen Film ausgegeben werden soll und mittels Filmprojektor abgespielt wird. Ein klassischer Filmprojektor verfügt über eine rotierende Halbblende, die aus den 24 Bildern während der Projektion praktisch 48 Halbbilder simuliert und somit Bewegungsabläufe flüssig erscheinen. Beim Abspielen von 24p auf einem Monitor (sofern man einen hat, der dieses Format überhaupt unterstützt) kann es zu ruckelnden Bewegungen kommen. Also hat Panasonic hier ein (für 99,9% der User) unnötiges Feature etabliert, um mit der hohen Datenrate werben zu können. Ein allgemein verfolgter Trend der Hersteller, der zeigt, dass man die eigene Konkurrenz für die Profigeräte fürchtet.
Als absolutes "no go" betrachte ich den Preis für Zusatzakkus. Die Preisempfehlung von Panasonic ist 99 €, was eindeutig für einen 1200 mAh zu teuer ist. Der Ladenpreis im internet beträgt ca 72 €. Generell sind Ersatzakkus zur Zeit praktisch nicht zu haben und voraussichtlich erst ab Kalenderwoche 4 lieferbar.

Nachtrag: Ich habe mit der GH2 nun auf 2 Produktionen gearbeitet: am Lavasee des Nyiragongo und am Vulkan Bromo. Bei Aufnahmen unter normalen Bedingungen überzeugte die Kamera mit guter Bildqualität und großem Funktionsumfang bei optimaler Mobilität. Allerdings gerät die Kamera bei etwas schwierigeren Motiven schnell an ihre Grenzen. Die geringe Datenrate von max. 17 Mbits sorgte am Lavasee zur Artefaktbildung. Wabernder Dampf und Lava, die sich in entgegengesetzter Richtung zum Dampf bewegte, brachte den AVCHD-Codec an seine Grenzen.
Die Grenzen der Leistungsfähigkeit dieser Kamera wurden auch bei langzeitbelichteten Nachtaufnahmen am Vulkan Bromo auf Java überschritten. Hier trat in einigen Aufnahmen "banding" auf, das so stark ausfiel, das die Bilder nicht zu verwenden sind. Die horizontalen Farbstreifen traten auch hier in Zusammenhang mit einer schnell aufsteigenden Aschewolke auf. Der Kundenservice von Panasonic wimmelte mich mich per Callcenter ab, ein Umtausch der Kamera wurde abgelehnt!



Über den Autor:
Marc Szeglat arbeitet seit 1996 als Kameramann, Videojournalist und Fachautor. Zahlreiche Testberichte von ihm sind zwischen den Jahren 1998 und 2006 in den Zeitschriften "Computervideo" und "Film- und TV Kameramann" erschienen.





Kontakt: Marc Szeglat - Dülmener Str. 11 - 46117 Oberhausen Phone: 0208-891954 - Mobil: 0049177-6884828 - eMail: marc@vulkane.net